Stürmische Zeiten

Wenn ich aus meinen geschützten Raum ins Freie schaue, sehe ich, wie das Wetter sich grade die Kante gibt. Schübeweise drückt der Wind Böen in den Innenhof und lässt die Baumkronen tanzen. Dann zieht der Wind kurz Leine, um mit der nächsten Böe wieder um die Hausecke gepfiffen zu kommen. Es ist halt Herbst und der hat jede Menge Herbststürme im Gepäck. In diesem Jahr kommt das Wetter, egal ob Sommerhitze, Starkregen oder Herbststürme, heftiger um die Ecke als sonst. El Nino soll dabei seine Hand im Spiel haben. Dieses Wetterphänomene ist zwar nicht neues, aber die Heftigkeit schon. Der Klimawandel ist nun unaufhaltsam, wir müssen uns der Realität stellen.

Auch das politische Klima scheint von einem Phänomen erfasst worden zu sein. Fast jeder hat innenpolisch was zu meckern. Einer meckert über den anderen und alle meckern über die Regierung. Mir scheint es fast, als würden alle ihre Unzufriedenheit auf die regierenden Politiker projezieren. D.h. im Umkehrschluss, es ist egal, was die Regierung beschließt, es wird sofort was zu meckern geben. Ich gebe zu, mir hängt die Meckerei und Nörgelei schon so richtig zum Hals raus. Meckern und Nörgeln hat nichts mit konstruktive Kritik zu tun, einer Kritik, die neue Werte schöpft und die Gesellschaft voran bringt. Voran in eine positive Zukunft, die die Jugend mit Freude in Empfang nehmen kann.

Außerdem kann ich die Weltlage, ob innenpolisch oder außenpolitsch, von meinem Wohnzimmer aus nicht wirklich beurteilen. Dazu braucht es mehr, als sich durch das Gewimmel von Meinungen zu surfen.

Einer der nicht meckert, jammert und klagt, ist Robert Habeck, dessen Buch ich gestern in der Thalia fand.

Ich werde mir das Buch kaufen, allerdings als E-Book. Eine Leseprobe hab ich mir schon heruntergeladen. Für mein Titelbild habe ich die Karte verwendet, die im Inneren vom Buchdeckel zu finden ist. Es zeigt die Arktis, die, das glaubt man kaum, Begehrlichkeiten der „Plünderer“ weckt. Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten und die Erderwärmung legt Bereiche der Arktis frei. Dort finden sich unerschlossene Rohstoffe, die den Geldsäcken noch mehr Geldsegen bringen sollen. In dem Moment, als diese Feststellung in mein Hirn einsickerte, wurde mir schlagartig klar, warum Trump sich Kanada, Grönland und Dänemark unter dem Nagel reißen wollte. Wer zuerst kommt, malt zuerst? Die Rohstoffe werden knapper und der Geldsegen könnte versiegen, wenn man sie teuer und zu fairen Preisen kaufen muss. Der rohe Kapitalismus bietet nicht nur die besitzlosen Menschen aus, so der auch den Grund und Boden, der für die Menschen unverzichtbar ist.

Mit dieser Erkenntnis wurde mir klar, dass wir noch heftige politisch stürmische Zeiten vor uns haben werden. Zur Zeit leben wir im geschützten Raum unsere seit Jahrzehnten geschaffenen Demokratie, wie ich grade in meinem Wohnzimmer sitze und auf den Sturm durch die Fensterscheiben schauen kann, ohne das mir ein Haar gekrümmt wird. Ich lasse mich vom politischen Sturm mitreißen, der sich in seinen Anfängen in Meckern und Nörgeln und Hetzen zeigt. Auf jeden Fall wird der politische Sturm hohe Wellen schlagen und ich hoffe, dass die Demokratie nicht geopfert werden muss, um die Wogen zu glätten. Nicht alle Menschen sind seefest und sehnen sich nach einem ruhigeren Boden unter der Füßen. Sie wollen einfach ihre Ruhe haben „So schlimm wird`s schon nicht werden“ 

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