nur schwer zu fassen

Ich zermartere mir grade das Hirn und finde darin nur den einen Satz „Wenn du nicht weißt, worüber du schreiben willst, dann lass es sein“ Es einfach lassen, das wäre eine Möglichkeit. Immerhin konnte ich diesen Satz aus meinen Hirnwindungen ziehen. Hat Goethe den bedeutenden Satz gesagt? Ich weiß es nicht genau, aber einer von den großen Dichtern hat es gesagt. Dennoch verharre ich weiter vor dem „unbeschriebenen Blatt“ und warte auf das, worauf sich mein Kopf einschießen könnte

Komisch, warum halten sich bestimmte Sätze in einem Kopf auf der 1.Seite meines Gedächtnisses und andere wieder fallen einfach durch ein Sieb? Werden auf nimmer Wiedersehen verschüttet? Nach welchen System ordnet mein Kopf die Dinge, an die ich mich schnell wieder erinnern oder besser schnell wieder vergessen sollte  Ich habe keine Ahnung, aber es geschieht. Mein Kopf sortiert vor „Die guten ins Töpfchen, sie schlechten ins Kröpfchen“

Und es gibt Ereignisse, die sich für immer in Erinnerung fest einschreiben und sich nicht über das Sieb für Grobes verschütteln lassen. Das Jahr 2016 hatte einiges davon. Nicht nur in den Reihen des Promis hat der Sensemann gewütet, nein, auch in den eigen Reihen hat er seine Sense eingesetzt. Gleich zwei Männer hat es im letzten Jahr getroffen.

Ich nenne sie  „Ernst“, weil sie beide die selben Vornamen tragen Der ältere Egon zog sich im Geiste schon vor Jahren zurück. Er erkrankte an Demenz und vielleicht war sein Tod auch eine Erlösung für ihn. Aber Kafka brachte es auf den Punkt.

Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt trotzdem, wenn es passiert ist

Selbst wenn man auf den Tod vorbereitet ist, man erschrickt und ist bestürzt, wenn es doch passiert. Im Sommer verstarb der Vater unserer Kinder.

Was mag im Menschen vor sich gehen, wenn er auf dem Tod eines nahen Angehörigen nicht vorbereitet ist?

Wenn dieser am Morgen wie jeden Tag zur Arbeit geht, den Nachmittag aber nicht mehr überlebt? Wenn ihm sein Leben gewaltsam durch einen anderen genommen wurde? Durch einen, oh meine, durch 10 Schüsse wurde den Mann das Leben genommen. Mir fällt kein Gefühl dafür ein, das in solch einem Moment  vorherrschend sein kann. Selbst Entsetzen und Bestürzung ist zu milde ausgedrückt. Ist es Wut, Hass, Rache, Ohnmacht, Trauer? Ich denke, eine Überlagerung all dieser Gefühle und die Verarbeitung der blutigen Tat  hat für die Angehörigen noch gar nicht beginnen können. Der Getötete, der Schwager meiner Schwester, wurde aus dem Leben gerissen werden, das hatte ein anderer für ihn entschieden.

Jetzt weiß ich, warum ich vorhin so schwer in die Gänge kam. Ich wollte über den Tod schreiben und dieses Thema fließt nicht so locker flockig über die Tastatur. Ich  konnte noch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Mit Schreckenstaten hat sich das Jahr 2016 verabschiedet und mit Schreckenstaten hat das Jahr 2017 begonnen.

Comments

2 Kommentare zu „nur schwer zu fassen“

  1. Avatar von Henning zu Henningsheim

    Unsere biologische Existenz ist von erschütternder Fragilität. Ganz zu schweigen von der Steuereinheit … Man weiß nur wenig darüber.
    Versuchen wir trotz allem, unsere Zeit zu leben. Ich kann nur Mut und auch Glück dazu wünschen …

    1. Avatar von flotterblogger

      Hallo Henning, stimmt, die Zerbrechlichkeit unseres Lebens wird einen in solchen Momenten mehr als bewusst. Die ausgelöschten Leben wurden durch fremde Hand ausgelöscht. Aber ebenso kann es auch eine Unwetter oder eine Katastrophe sein, die uns nach dem Leben trachten.
      „Heute so leben, als wäre ich morgen schon tot“ so oft schon gehört, weniger selber gesagt, aber die beschriebenen Ereignisse zeigen auf, dass der Satz mitten aus dem Leben gegriffen ust.
      LG Osteemaius

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