Weiß der Teufel warum mein Kopf mich ab und an mit einer Migräne in den Tag schicken will. Nicht nur, dass einem der Schädel brummt, auch der Magen vibriert leicht und Gerüche werden verstärkt ans Gehirn weiter geleitet. Trotzdem verdonnere ich mich dazu, den Tag auch ohne Tabletten zu überstehen und ich hoffe auf ein Wunder. Wunder soll es bekanntlich ja immer wieder geben. Doch gestern blieb das Wunder aus und dafür aber die Migräne mein Begleiter bis in die Abendstunden.
Jeden Donnerstag absolviere ich eine große Runde, d.h. ich gehe bzw. fahre mit Bus und Bahn von Training zu Training. Kindertraining und Yoga stehen also nacheinander auf dem Plan. Zuvor musste ich noch nach Warnemünde und nutze von meiner Wohnung aus eine Buslinie, die durch Wald und Wiese führt. Das Grün der Natur würde meinem Kopf gut tun, grün beruhigt und entspannt. Die letzte Etappe. um nach Warnemünde zu kommen ist die Fähre, ich lies mich übersetzen.
Der Frühlingswind in Ostseenähe fühlt sich alles andere als frühlingshaft an und überzog meinen Körper spontan mit einer Gänsehaut. Deshalb nutzte ich den kleinen abgeschlossenen Raum der Fähre. Ein paar Fahrgäste waren schon drin. Ich hielt die Tür noch in der Hand, als mir eine , von Vortag abgestandene, Alkoholfahne mir entgegen wehte. In der Ecke, aus der der Geruch kam, saß ein kleines Hutzelmännchen, er hielt sein Bier liebevoll in der Hand. Was für ein Leben dieser Mann wohl führt? Gibt es in seinem Leben überhaupt noch Menschen, für die er wichtig ist? Eine verlorene Seele, die ihr Leben auf der Erde in Alkohol ertrinkt?

Um 21 Uhr pochte es in meiner Schläfe immer noch, doch in habe der Tag geschafft und ich machte mich auf den Heimweg per Straßenbahn.
Kaum betrat die ich die Bahn, schlug mir abermals ein unangenehmer Geruch entgegen.Ich schaute nur kurz in die Richtung, aus der der Geruch kam. Ein abgehalfterter Mann saß allein auf einem Doppelplatz. Er stank fürchterlich. Ich nahm an, das weder seine Haut noch seine Sachen, die er trug, in den letzten Wochen Wasser gesehen haben. Was für ein trauriges Leben. Was mag der Mann in seinen jungen Jahren mal vom Leben erwartet haben ? Und was brachte ihm in diese Lage ? Wieder eine verlorene Seele. Nach drei oder vier Haltestellen verließ der abgehalfterte Mann die Staßenbahn und mit ihm der Geruch von Schmutz und altem Schweiß.
Mit dem neuen Fahrgast, der just in diesem Moment einstieg, kam eine andere Dunstglocke in die Bahn. Dieses mal war es ein junger Mann. Kahlköpfig in einer blauen Freizeitjacke, die über den Rücken und von einem Arm zum anderen einen breiten hellen Streifen hatte. In der Hand hielt er einen geöffnete Bierflasche und er selbst war von einer „Graswolke“ umgeben. Er saß zwei Plätze vor mir und ich fragte mich, was au dem Mann mal werden würde. Wird er es besser machen, als die beiden Männer, die mir vor ihm aus geruchstechnischen Gründen ins Auge fielen? Oder ist sein Schicksal schon vorgezeichnet ?
Nach 22 Uhr war endlich wieder daheim war, fiel ich todmüde ins Bett und wachte heute früh mit einem Rest von Migräne auf. Momentan trinke ich stündlich ein großes Glas Wasser. Das ist meine Therapie gegen Kopfschmerz, deren Ursache ich im Flüssigkeitshaushalt meines Körper sehe.


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