Revierkampf ?

„Ich schlage vor, wir gehen heute mal japanisch essen“ war in meiner WhatsApp Nachricht zu lesen. Sohnemann vermied dabei den Begriff „Sushi“, weil er befürchtet, ich würde dann seinen Vorschlag canceln.  Vor einer gefühlten Ewigkeit aß ich das letzte mal Sushi und dabei hatte ich mir wohl einen Happen zu viel gegönnt. Darauf hin hatte sich mein Appetit auf Sushi auf Null reduziert. Aber Sohnemann zu liebe lies ich mich mal wieder auf Sushi ein.

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Am Doberaner Platz, nahe der Straßenbahnhaltestelle, findet man eine beliebte Sushibar, die aber keine Außenplätze ihren Gästen anbieten kann. Für die Raucher heißt das, das sie ihr „Pfeiffchen“ vor der Tür zu rauchen müssen. Als nichtrauchender Raucher – ich hörte 20 Jahren erfolgreich mit dem Rauchen auf – habe ich aber immer noch Verständnis für den „Jieper“ der Raucher. Also blieb ich mit Sohnemann vor dem Restaurant stehen, bis er einen „Glimmstengel“ aufgebraucht hatte.

Das sommerliche Wetter machte meine Entscheidung leicht. Der Abend war mild und die Hitze des Tages strahlte noch von den Pflastersteinen ab.  Unser Plausch wurde je durch einen explosionsartigen Lärm unterbrochen. Der Lärm kam von der Haltestelle. Aus den wartenden Fahrgästen wurde ein aufeinander prügelnder Haufen. Binnen weniger Sekunden knallte ein Fahrrad auf die Plastersteine, die Rücksäcke der Jungs flogen umher und zerstreuten sich auf dem Platz. Sie hauten einfach drauf, egal wohin. Wollte einer fliehen, hielt an andere ihm mit einem Opferwurf am Bein fest.

Auf die Schnelle konnte ich nicht erkennen, ob Deutsche auf Deutsche eingedroschen hatten, oder ob Deutsche auf jugendliche Ausländer? Ich glaube, letztes war der Fall. Ihre Stimmen klangen wie extra tiefes Bullengebrüll und besonders beliebt war das böse „F-Wort“, aber das kann nicht von den Ausländern gekommen sein. Die tiefen Stimmen passten aber nicht zu den Hanswürsten, die sich in die Haare gekriegt hatten, sie wurden extra abgesenkt.

Sie vermöbelten sich kreuz und quer über den Doberaner Platz. Wollte einer fliehen, kam es wieder zu Opferwürfen und sie lagen gemeinsam am Boden. Gelang jemand die Flucht, kam er wieder zurück und schlug wieder auf jemand ein. Ein paar Mädel überquerten dessen unbeeindruckt den Platz und eine von ihnen forderte die Jungs durchdringend und beherzt auf: „Nu ist aber gut, Jungs“  Die magischen Worte brachten wieder Ruhe in die Truppe.

Als erstes wurden die Fäuste wieder eingefahren, die Stimmen klangen aber immer noch aus den Hanswurstkörpern tief und bedrohlich wirkend. Die verteilten Rucksäcke und Schuhe wurden wieder eingesammelt und das Fahrrad wieder in Besitz genommen. Die Schlägerlaune der Jungs war verloschen, aber noch aufgeregt verließen die Jungs hastig den Platz in 3 Richtungen Die Zuschauer starrten ihnen noch eine Weile nach und dann war alles wie vorher. Ein ruhiger Sommerabend, ruhig wartenden Menschen an der Straßenbahnhaltestelle und hier und da überquerten einige Menschen den Platz.

Nachdem sich die Aufregung auf dem Platz  gelegt hatte, war diese auch schnell vergessen. Die Jungs hatten sich vor wenigen Minuten vor unseren Augen die tödliche Langweile vertrieben – es kann auch eine Revierkampf gewesen sein –  und wir ließen uns wenig später das Essen in der Sushi-Bar schmecken.

 

Comments

2 Kommentare zu „Revierkampf ?“

  1. Avatar von flotterblogger

    Hallo Klaus, ja.. wenn der Verstand aussetzt, dann regieren die Fäuste. Ich denke, das sie Jungs überschüssige Energie hatten und auch zu Tode gelangweilt sind. Dann machen die Jungs so dummes Zeug. Vielleicht wollten sie auch ein paar Mädels beeindrucken?
    Nichts genaues weiß man nicht 😉
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
    LG Ostseemaus

  2. Avatar von kowkla123

    es geht immer wieder, da fehlt Verstand, einfach Verstand, Klaus

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