Der Zufall wollte es, dass ich noch einmal in die alte Zeit von damals gebeamt wurde. Ein Bild war der Auslöser. Ich schaute mich mal wieder auf Facebook um. Nicht um etwas zu posten oder zu kommentieren. Halt nur mal gucken, was es so neues in der virtuellen Welt von Facebook gibt. Ein Account nennt sich „DDR-Erinnerungen“ und postet ab und zu über Ereignisse aus alten Zeiten, die das einfache Leben ohne politischen Hintergrund darstellen.
Heute posteten sie ein Foto, dass mich an aufregende Zeiten von damals erinnerte. Das Foto wurde im Herbst gemacht und zeigt Soldaten, die alljährlich die Bauern bei der Kartoffelernte unterstützten, Auch die Kinder mussten mithelfen. Deshalb nannte man die Herbstferien damals auch Kartoffelferien, aber zur Haupterntezeit wurden die Soldaten von der LPGn angefordert.

Und diese Zeit war wirklich aufregend, für alle im Dorf.
Die Eltern bewachten ihre Töchter. Die Jungs hatten Revierkämpfe an den Nagel hängen müssen, dem soldatischen Männeraufgebot waren sie nicht gewachsen. Die Mädels des Dorfes waren außer Rand und Band. Die Soldaten hatten Abwechslung vom knallharten Soldatenleben der NVA. Also für jeden war etwas dabei, was sie aus ihrem Alltag katapultierte.
Im Herbst mussten die Kartoffeln möglich schnell aus dem Boden und eingelagert werden. Maschinen dafür standen kaum zur Verfügung. Nur eine maschinelle Kartoffelkralle gab es. Sie beförderte die Kartoffeln ans Tageslicht. Der Rest wurde von Hand gemacht. Jede Kartoffel aufsammeln und große Kiepen damit auffüllen. Die schweren Kiepen zum Hänger tragen und ausschütten. Dafür erhielt man einen Chip und diesen konnte man am Abend gegen bare Münze umtauschen. Ein Leistungslohn und wer im Akkord arbeitete, hatte an Abend richtig Geld in den Taschen. Alle mussten damals ran, ja, auch sogar die Kinder waren gefordert. Echte Knüppelarbeit und über Kinderarbeit dachte damals noch niemand nach. Die Bevölkerung musste ernährt werden. Ich fand Feldarbeit nicht erbaulich, aber wenn die schicken Soldaten mit dabei waren, fand ich den Job nicht mehr soo hart.
Und in der Freizeit hatten wir Mädels nur eins im Kopf, schick machen und vor die Tür gehen. Ich ging in der Zeit so oft durchs Dorf spazieren, wie sonst den Rest des Jahres nicht. Ich fand kaum ein Klamöttchen, was für die Spaziergänge schick genug war. Eine Mädels gingen sogar mit Pumps auf den Feldwegen spazieren, natürlich in der Nähe der arbeitenden Soldaten. Nein, soweit ging ich nicht 😉 . Wir hoben zwar die Nasen,wenn die Soldaten uns hinter her gepfiffen haben, aber hätten sie es nicht getan, wären wir entsetzt gewesen. Damals nahm niemand wirklich Anstoß daran und es wurde unter „Flirt“ abgelegt.
nach der Arbeit das Vergnügen 🙂
Zum Abschluss des Einsatzes wurde im Kultursaal des Dorfes noch ein Tanzabend organisiert. Damit kamen die Eltern erst richtig ins Schwitzen. Sie mussten dafür sorgen, dass ihre Töchter nicht knutschend in dunkle Ecken verschwanden. Deshalb standen sie Eltern vor dem Tanzsaal, schauten in die Fenster und behielten ihre Töchter im Auge. Wohin die Jungs sich damals verzogen, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir hatten ja spontan keine Augen mehr für sie. Wahrscheinlich zogen sie die Köpfe ein und warteten, bis der ganze „Spuk“ vorbei war. Und der dauerte 2 oder 3 Wochen.
Ein Soldat aus der Zeit von damals blieb in unserem Dorf, er hatte dort seine Liebe des Lebens gefunden, gründete eine Familie. Er lief später in ziviler Kleidung durchs Dorf und da fand ich ihn gar nicht mehr sooo attraktiv. Ich habe keinen abgekriegt. Aber dafür wäre ich auch zu jung gewesen, denn ich war ja noch ein Schulkind, hatte noch ein paar Jahre Schule vor mir, hatte aber schon ein Auge für die Jungs und für die Soldaten sowieso 😀


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