Mittlerweile liegt unser Entspannungswochenende hinter uns und jeder geht wieder seinem geregelten Alltag nach. Auf mich wartet heute Abend die Yogagruppe. Jeder sollte die besten Eindrücke aus dem gemeinsamen Wochenende mit in die Woche nehmen und der letzte Eindruck ist dabei entscheidend.

Zur linken Seite ist mein letztes Foto, dass ich kurz vor meiner Abreise gemacht habe. Ist das nicht idyllisch?
Ich machte das Foto mit der PanoramaFunktion meines Handys. Dabei wird das das breite Bild nicht von rechts nach links aufgezeichnet, sondern von unten nach oben. Damit wollte ich erreichen, dass an die alten Bäume gut im Größenverhältnis zum Gebäude sieht. Und ich finde, das ist mir damit gut gelungen?
Okay, Selbstlob stinkt, heiß es früher. Also überlasse ich die Beurteilung denen, die sich dazu äußern möchten.
Zu dem Zeitpunkt, als ich das Foto machte, waren die Teilnehmer schon dabei, ihre Sachen zu packen. Jedem war klar, dass die gewohnte Abschlussrunde nach dem Mittagstisch wohl ausfallen würde. Warum? Weil keiner mehr Bock darauf hatte, sondern ein peinlicher „Vorfall“ die Menschen auseinander stoben ließ. 😥
Wie es so ist, mit peinlichen Vorfällen, sie sind keine höhere Gewalt, sondern menschlicher Natur und in diesem Fall sorgte der VereinsChef persönlich dafür. Er war mit Mann und Maus angereist. Er und seine Frau leiten den Verein schon mehr als 20 Jahre. Damals hatten sie noch keine Kinder, jetzt sind es 5 Kinder und das birgt auch die Gefahr, dass das Familiäre auch Teil des Vereins wird. Das ist nichts schlechtes, kann aber auch mal zu einem peinlichen Vorfall führen, so wie gestern.
Statt der geplanten Abschlussrunde – diese gibt jedem Teilnehmer die Möglichkeit das Wochenende aus seiner Sicht zu reflektieren – wurde durch den Leiter und VereinsChef höchstpersönlich gecasht. Weil seine Frau nicht so präzise auf seine Frage antwortete, kam es vor aller Augen zu einem lautstarken Ehestreit, bei dem die Frau vor aller Augen den kürzeren zog, vielleicht sogar ein bisschen vorgeführt wurde. Sie sah keinen anderen Ausweg, als abrupt den Raum zu verlassen, damit niemand ihre Tränen sah. Der Rest der ungewollten Zuschauer schaute beschämt nach unten und Sprachlosigkeit beherrschte den Raum. Der eine oder andere wagte in leisen Tönen einen Widerspruch, aber der prallte ab. Ihm fiel es schwer und gar nicht erst ein, seinen „Ausrutscher“ zu reflektieren.
Für langjährige Trainer, wie er es auch ist, ist es mitunter schwierig auf seine eigenen Fehler zu schauen, weil sie sich stets auf der Seite derer sehen, die die anderen korrigieren. Haben sie das so sehr verinnerlicht, dann sehen für sich selbst wenig Anlass der Selbstkritik. Dabei hat das eine mit den anderen nichts zu tun. Bei dem einen geht es um Anleitung von sportlichen Abläufen, bei dem anderen um Selbstreflketion „Was habe ich da grade veranstaltet und warum?“ Das eine ist Anleitung der anderen, die was lernen wollen, bei dem anderen geht es um die menschliche Qualität der eigenen Person. Außerdem stärkt die Selbstreflektion auch die Empathie. Und die Klärung um das „Warum“ ist die entscheidende Frage.
Ich sah, als man ihn deshalb kritisierte, in das Gesicht eines trotzigen Jungen. Was sollte ich dazu noch sagen? Davon kann ich jede Menge Lieder singen, denn zweimal die Woche schaue ich in solch trotzige Gesichter von Kindern beim Kindersport. 😉 Bei dem VereinsChef ging es um das Prinzip. Damit war die Abschlussrunde „gegessen“, denn er hatte seinem Ansehen schwer geschadet, seinen Worten würde man nur wenig Glauben schenken.
Spiritueller Lehrer
Das ist die Persönlichkeit, die der Vereinschef gerne sein möchte und als solches betrachte ich ihn für mich schon seit der Zeit, seit ich ihm kenne. Auch dieser Ausrutscher ändert daran nichts. Er hatte mich immer inspiriert an mir zu arbeiten, ein besserer Mensch zu werden und er wird es auch weiter tun. Aus der Nummer lass ich ihn nicht raus. 😄 Trotzdem schaue ich besorgt auf seine Entwicklung,, die sich für mich schon seit einiger Zeit abzeichnet. Es fehlt ihm ein geeigneter spiritueller Lehrer, der ihn erdet.
Wer in die Spiritualität geht, sollte einen guten Lehrer oder sein Ego gut unter Kontrolle haben und jedes Aufbegehren des „Ich möchte gern der Größte sein“ unterdrücken können. Das EGO will sich die Spiritualität gern zu Eigen machen und unterordnen. Doch das führt zur Entfernung zu den Mitmenschen, fehlende Empathie und der Selbstreflektion und damit löst sich die angestrebte breite Spektrum der Spiritualität auf.
Jeder kann jedem sein spiritueller Lehrer sein, wenn es den anderen in seiner persönlichen Entwicklung weiter beringt. Dazu muss man sich im Klaren sein, in welche Richtung man sich entwickeln möchte, grade im Hinblick auf das Alter. Ich kann mich jeden Tag auf neue fragen, was aus mir werden soll, wenn ich alt bin und welche Stimmung ich im Augenblick kultiviere, hege und pflege, wie eine wertvolle Pflanze? Brint die „Pflanze“ mich weiter und erweitert meinen Horizont oder wuchert sie den Blick auf das vielschichtige Leben zu?
Will ich aus mir eine griesgrämige alte Frau machen, die verbittert in die Vergangenheit zurück schaut oder misstrauisch die Gegenwart reflektiert? Oder soll aus mir eine fröhliche Alte werden, die immer noch neugierig auf das Leben und die Zukunft schaut? Dazwischen gibt es eine zahlreiche Palette von Möglichkeiten. Das hat jeder selbst in der Hand und zeigt auf, dass man auch sein eigener spiritueller Lehrer sein kann.
Was mein spiritueller Lehrer zur Zeit grade pflegt, ist – so glaube ich – die Prinzipienreiterei. Die große Frage aller Fragen ist, bringt es ihn in seiner spirituellen Entwicklung weiter und erhöht so seine Strahlkraft auf die anderen? Gestern war grade das Gegenteil der Fall. Alle wollten aus dem Dunstkreis des Prinzipienreiters schnell verschwinden. Wir auch.
Wir, drei Mädels, die gemeinsam die Heimreise antraten, wollten unseren eigenen Abschluss machen und fanden ein schönes Plätzchen dafür. Im Loitz, am Hafen der Peene fanden wir ein schönes Restaurant mit tollen Ausblick. Die Wolken – am Himmel und auch im Kopf – verschwanden schon auf dem Weg dorthin.





Wir machten aus dem Rest des Tages noch das Beste und damit verschwand auch der bittere Nachgeschmack.
Egal, wie die gemeinsame Zeit war, entscheidend ist der Schlusspunkt, dass ist das, was in den Köpfen hängen bleibt. Ich hoffe, das der VereinsChef nach seinem Ausrutscher diese Erkenntnis für sich zulässt und daraus bleibende Schlüsse zieht und sicher weiß, was im Vordergrund stehen sollte, für ihn und damit für alle, die ihm folgen.


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