Ein großes Wort, dass jeder kennt und individuell interpretiert. Große Abweichungen zwischen den Interpretationen gibt es nicht. Jeder hat Anspruch darauf, zumindest in unserer demokratischen Welt. Einer Welt, die für uns selbstverständlich ist.
Während der Pandemie wurde die Freiheit neu diskutiert, weil viele Bürger sich durch die Maßnahmen in ihrer Freiheit eingeschrånkt fühlten. Okay, Mundschutz tragen und vorübergehend auf Konsum verzichten, war das wirklich ein tiefer Einschnitt in den freiheitlichen Gedanken der Demokratie? 🤔

Ein bekanntes Zitat von Rosa Luxemburg besagt „Freiheit ist die Freiheit des anders Denkenden“ Darauf baut das Demonstrationsrecht in unserer Gesellschaft auf und davon wurde während der Pandemie reichlich Gebrauch gemacht. Während ich dankbar war, dass der Staat das Leben seiner Bürger schützen wollten, sah ein Teil der Bürger die Maßnahmen als Freiheitsberaubung. Da stellt sich mir die Frage, wo die Freiheit endet. Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Freiheit ist demnach nicht unendlich, sie setzt auch Grenzen.
Ich sehe das mit der unendlichen Freiheit nicht im äußeren Raum, sondern im Inneren. Wir Menschen neigen dazu, uns kleine Gefängnisse im Inneren zu bauen. So war ich über 20 Jahre Gefangene meiner Zigarettensucht. Erst als ich die hinter mir ließ, war mir klar, wie sehr ich darin gefangen war. Wir können auch Gefangene unserer Gewohnheiten, Prinzipien und Verhaltensmuster, ja sogar Gefangene unserer Angst sein. All diese kleinen inneren Gefängnisse schränken unsere Freiheit ein, weil sie uns nicht frei entscheiden lassen.
Ich stand gestern an einer Straßenbahnhaltestelle etwas länger. Meine Bahn war vor meiner Nase grade abgefahren, also musste ich mich auf 15 Minuten Wartezeit einstellen. Diesmal wollte ich nicht der Gewohnheit nachgehen, das Handy aus der Tasche holen und mir damit die Zeit zu vertreiben. Ich wollte einfach nur dastehen, die Langeweile des Wartens aushalten und meinen Gedanken nachgehen.

Dann sah ich ihn kommen. Ein Demonstrationszug. Anfangs glaubte ich, dass es wieder einige Gegner der Maßnahmen auf den Plan gerufen hätte, doch dann sah ich die Fahnen, die von den Teilnehmern voran getragen wurden. Iranische Frauen und auch Männer machten sich auf den Weg. Ihre Einstellung zu den frauenfeindlichen Gesetzen zu ihrem Heimatland sollte die Welt wissen. Eine kleine zierliche Frau, mitten in der Gruppe, deren Stimme genau so zierlich wie ihr Körper war, rief wiederholt ins Mikro „Frauen lieben die Freiheit“, was ich ohne Abstriche unterstreichen kann.
Die Nachrichten berichten zur Zeit täglich darüber, wie sehr die iranischen Frauen sich gegen das „Sittengesetz“ im eigenen Land auflehnen und das unter der Gefahr, dass sie später dafür ins Gefängnis landen und vielleicht deshalb gefoltert werden, so, wie es einer jungen Frau kürzlich passierte, deren Tuch nicht richtig saß, sie daraufhin von der Sittenpolizei so schwer misshandelt wurde, dass sie das Gefängnis nicht lebend verließ.
Auch wenn die iranischen Demonstranten hier in Deutschland keine Repressalien in Deutschland zu erwarten haben, in die Heimat dürfen sie nun nicht mehr. Man würde Ihnen sofort den Pass abnehmen und eine Rückreise verweigern und das Gefängnis wäre ihr neues zu Hause.
Das flõßte mir gestern den größten Respekt ein, weil dieser Kampf der Iraner wirklich mutig ist. Im eigenen Land sowieso, denn die Unterdrückung der Frauenrechte in solchen Ländern haben eine lange Geschichte und dient der Machtmanifestation der Männer im Land und man mag sich gar nicht vorstellen, was mit den Frauen passiert, wenn sie sich dagegen auflehnen.
Das macht mich besonders froh und glücklich zu wissen, dass ich in einem Land geboren bin, in dem die Freiheit der Frau selbstverständlich ist.


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