Voll das Chaos

Der Tag ließ sich für mich gestern schwer angehen. Man oh man, das war bestimmt eine leichte Anwandlung vom Jetlag wegen der Zeitumstellung? Ich fühlte mich weder müde noch wach, ich fühlte mich nicht krank, aber auch nicht gesund. Ich fühlte mich eher wie Braubier und Spucke und hätte am liebsten meiner Hütte nicht verlassen. Auch mein Magen fühlte sich bescheiden schön an. Leer und unzufrieden, das was das Signal, was aus meinem Magen kam. Das zerrte an meiner Kraft und ließ mich schlapp fühlen. Und vor mir stand der lange Donnerstag. Ich würde erst um 22 Uhr wieder zu Hause sein, wenn ich alle Stationen des Tages hinter mir habe.

Die erste Station – Breitensport – im Wohngebiet am anderen Ende der Stadt. Als ich an der Sporthalle eintraf, kamen mir nur ein paar Kinder entgegen. „Das wird heute ja locker vom Hocker gehen.“ dachte ich mir so. Da hatte ich den Pulk Kinder noch nicht gesehen, der grade um die Ecke kam. Als ich die Kinder in die Sporthalle ließ, liefen sie mich fast über den Haufen. Die meisten von ihnen waren die Großen, die erst im Verein aufgenommen werden wollen. Sie kamen alle zum Probetraining und sind allesamt lauter, schneller, frecher und z. T. größer als ich. Und im Gegensatz zu mir – ich lag ja innerlich noch am Boden – waren die Kinder extrem überdreht. Oh mein Gooooot, vor mir lagen 90 Minuten Chaos. Wie sehr die Kinder mich in ihr Chaos zogen, sah ich erst am Ende der Sportstunde. Ich trug meine Straßen- Flip-Flops statt meine Sportschuhe in der Halle.

Das Chaos zog sich durch die ganze Zeit. Trotz Chaos schälte sich für mich heraus, dass nur 3 Mädchen das Chaos auslösten. Sie rannten wild und planlos durch die Sporthalle und die zahlreichen hinteren Gänge der Halle, oder hingen an diversen Sportgeräten herum, oder spielten gar Verstecken mit mir. Sie waren nicht mehr ansprechbar. Die 3 Mädels gehörten auch zu denen, die zum Probetraining da waren. Sie und viele andere kommen alle aus einer Klasse und bringen die Dynamik der Schulklasse mit in die Halle. Das erklärt auch ihr überdrehter Kopf, der den Trainern das Arbeiten schwer macht.

Ich erklärte den 3 Mädels, dass sie von mir keine Anträge für die Anmeldung für den den Verein erhalten und sie daher in Zukunft keinen Zutritt für die Sporthalle haben. Sie reagierten, wie nicht anders zu erwarten, trotzig „mir egal“. Am Ende der Sportstunde sprach ich noch einmal mit ihnen und teilte ihnen erneut meinen Entschluss mit. Ich wollte sicher gehen, dass die Info in ihren Köpfen auch ankommt. „Ich muss allen Kindern hier Sport anbieten und wer den Ablauf erheblich stört, so wie ihr, hat hier nichts zu suchen. Wer hier herkommt, macht Sport und sonst nichts, oder bleibt draußen!“

Die 3 sahen mich das erste Mal an, hörten mir zu und dachten nach. Eine von ihnen sprach für alle. Sie wollten nach Ostern noch einmal eine Chance von mir und mir dann beweisen, dass sie es besser können, als sie mir bisher gezeigt haben. „Bitte, bitte“, flehten sie mich an. Meine innere Aufruhr hatte ich zum Glück wieder gelegt und ich gab den Mädels noch einmal die Chance, mir zu beweisen, dass ich es besser können.

Jetzt sind erst mal Osterferien und es werden 14 Tage ins Land gehen. Dann können die Mädels mir zeigen, dass sie es besser können.

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