Ich komme grade vom Einkauf. Die Schweißperlen sammeln sich auf meiner Stirn, ich schwitze. Der September geht dem Ende zu und der Sommer bleibt weiter dran. Sogar die Abende fühlten sich lau an, tritt man in die Nacht. Diese lauen Abende im September kenne ich sonst nur von Spanien. Die Sommerwärme bleibt, die Dunkelheit rückt unaufhaltsam näher. Kaum hat man sich gegen 19 Uhr mal kurz vom blauen Himmel abgewand, schon wird das Sonnenlicht ausgeknipst. Auf die dunkle Jahreszeit hab ich keinen Bock. Aber ich habe nicht die Wahl, muss mit der Menge Tageslicht zufrieden sein, die die Natur mir zur Verfühung stellt. Die fehlenden Sonnenstrahlen kann ich dann ja mit meinem sonnigen Gemüt aufhellen.

Aber auch das sonnige Gemüt hat so seine Mühe, sich über Wasser zu halten. Die Verwerfungen seit der Pandemie schieben weiter die Abgründe vieler Menschen an die Oberfläche. Sie bilden wie bei einem Faltengebirge Spitzen und stachlige Gipfel. die denen die Sicht nehmen sollen, die sich nicht in die Strömung der Verwerfung haben ziehen lassen. Und wer den Anführer auf die Spitze folgt, dem werden statt grüne Täler Abgründe zu allen Seiten aufgezeigt. Es gibt kein Zurück mehr. Sie wissen nicht, das der Blick ins grüne Tal nur durch die Gipfelstürmer vernebelt wurde und sie so weiter die Irreführung der menschlichen Geister am Laufen zu halten.
Das sonnige Gemüt lebt auf dem Boden der Tatsache. Dort mag es etwas karg sein, doch der Blick in die Ferne bleibt frei. Das sonnige Gemüt schaut aber besorgt zu, wieviele dem Ruf der Gipfelstürmer folgen und sich freiwillig in den Nebel leiten lassen, der sie weiter in die Irre führen soll. Sie laufen, steigen, klettern und stoßen die ab, die sie zurück halten wollen. Der Gipfel ist gefährlich. Aber der Nebel hat schon seinen Job gemacht, die Gefahr wird relativiert und der Weitblick getrübt. Je höher sie steigen. je stärker und dichter wird der Nebel. Die einst grünen Täler verschwinden für ihre Blicke vielleicht sogar für immer.
Die grünen Täler sind noch da, aber sie sehen sie nicht mehr. Sie erkennen auch nicht, dass die Gipfelstürmer nicht ihr Bestes wollen, sondern sie wollen sich mit ihrer Hilfe ein eigenes Königreich aufbauen, in dem sie ihre Rolle Fußvolk zugewiesen bekommen werden.
Aber bevor es dazu kommt, hätte jeder die Wahl gehabt.


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