Ich lass es mich was kosten, damit sich die Vogelwelt der Stadt vor meinem Fenster tummelt. Ich locke sie mit Futter in den Busch, der direkt unter meinem Küchenfenster steht. Das ich im Erdgeschoß lebe, macht das Beobachten der munteren Gesellen für mich einach.
Gestern ging mir das Futter aus und schon wurde es still um meinen Balkon herum. Sie Spatzen und Meisen zogen Leine und suchten sich eine neue Futterstelle. Das haben sie im Blut. Versiegt eine Futterquelle, dann schicken sie ihre Späher los, die neue Futterquellen fur sie Vogelschar ausfindig machen müssen.
Um an Vogelfutter zu kommen, musste ich mich gestern doch tatsächlich auf den Weg in den Baumarkt machen. Die zahlreichen Supermärkte haben ihr Wildvogelfuttersortiment gegen das Grillsortiment ausgetauscht. Aber auch im Baumarkt ging das Futter zur Neige. Ich musste die Knödel (ohne Netz) vom Boden der übergroßen Warencontainer fischen. Fast hätte es mich in den großen Container gezogen. Mit meinen 1,52 cm Größe habe ich nicht viel Spielraum um mich am Boden mit den Füßen zu sichern. Nur 2 cm tiefer greifen und ich hätte die Bodenhaftung verloren. 😀
Kaum hingen die Knödel in ihrer Halterung und kaum hatte ich dem Balkon den Rücken gedreht, schon hingen die fröhlichen Gesellen dran und pickten, was das Zeug hält. Daraus schließe ich, dass die Vogelschar mich im Blick hat und ich beim Späher unter Beobachtung stehe. 😀

Die Warteschlange lässt sich auf den Zweigen nieder und dann gibt es ein ständiges hin und her. Was die Futtersuche betrifft, handeln die Spatzen als Gemeinschaft, aber dann macht sich auch bei ihnen der Futterneid breit. Einer hackt den anderen auf den Kopf, damit er verschwindet und Platz macht. Wer hartnäckig ist und zurück hackt, bleibt, wer nachgiebig ist, reiht sich wieder in die Warteschlange ein. Das Vogelleben ist eben auch kein Ponnyhof.

Was das fliehen betrifft, handeln die Spatzen wie auf Signal. Meine Kamera wurde sogar hinter der Fensterscheibe als verdächtiges Objekt eingeordnet und so verschwanden alle Spatzen im Bruchteil einer Sekunde. Bei dem Tempo konnte ich nicht mal sehen, in welchen nahegelegenen Busch sie sich unsichtbar machten.


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