mein Kinotag

Nur an einem Tag in der laufenden Alltags-Woche kann ich ins Kino gehen und das am Dienstag. Das ist der einzige Tag, an dem ich nicht erst nach 20 Uhr bzw. nach 22 Uhr Feierabend habe. Also sah ich mir auf Empfehlung meines Sohnes und mit ihm gemeinsam den Film „Sonne und Beton“ an. Eine Verfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Felix Lobrecht.

Wer ist das? Ich hatte noch nie von dem Mann gehört. „Ein Stand Up-Comedian“ werde ich von meinem Sohn belehrt. Er kannte ihn wohl schon, ich nicht. Wahrscheinlich über YouTube bekannt geworden, spekulierte ich. So ganz falsch lag ich damit nicht, er ist ein Podcaster und erscheint regelmäßig unter dem Titel „Gemischtes Hack.“ Aber er ist auch auf großen Bühnen zu Hause.

Okjay..von einem Comedian? Dann gibt es was zum lachen, dachte ich mir und mit dieser Einstellung ging ich in die Vorstellung. Ich lehnte mich zurück und wollte die Witzeleien aus dem Film locker über mich ergehen lassen. Wird bestimmt lustig.

Doch damit lag ich mehr als falsch. Ich kann mich an keine derartige Beklemmung während einer Filmvorstellung erinnern, wie ich sie in diesem Film erlebte. Am liebsten wäre ich aus dem Film gelaufen, wollte meinem Sohn gegenüber mir aber nicht die Blöße geben. Als Übersprungshandlung sah ich alle 15 Minuten auf mein Handy, nur um die Zeit zu checken. Ich wollte wissen, wie lange ich diese Beklemmung, in die mich der Film von einer Minute zur anderen gezogen hatte, wieder herauszukommen werde. Die Zeit kroch. Mehr als 90 Minuten Beklemmungen, das hatte bisher kein Film bei mir erreicht. Erst am Ende löste sich der Knoten bei den Jugendlichen, um deren Leben es in dem Film ging, wieder auf. Als sich um die Jungs im Film die bedrückende Situation wieder entspannte, konnte ich mich auch erst wieder entspannen. Ich bin mir sicher, DEN Film werde ich nicht wieder vergessen.

Bemerkenswert ist, dass die jugendlichen Hauptdarsteller alle Laien waren und trotzdem so überzeugend spielen konnte. So überzeugend, dass es mich emotional vom Hocker gerissen hatte. Sie brachten mich von einer Minute zu der anderen in ihre Welt, die von außen betrachtet, ganz anderes erscheint, als sie von innen her ist.

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