Alle Jahre wieder

Einmal im Jahr lädt mein Verein auf ein Wellness-Wochenende in das Schullandheim „Hans und Sophie Scholl“ ein. Spartanische Unterkunft, einfaches Essen, aber viel Natur.

Wer die Idylle sucht, wird dort gut aufgehoben sein. Nichts als Natur und mittendrin das Schullandheim. Bei ausgedehnten Spaziergängen kann man bestenfalls einem Wolf begegnen bzw. umgekehrt. 😱 Besser nicht. Mir lief nur ein Hund über den Weg und das hatte meinen Herzschlag schon etwas erhöht.

Die meiste Zeit hielten wir uns auf dem Gelände des Landheimes auf. Ich war zuständig für Yoga und wer wollte, konnte die Stunden für sich nutzen. Die Teilnahme in meiner Stunde hielt sich in Grenzen, denn für die meisten, die mit Yoga wenig vertraut sind, ist Yoga zu anstrengend. Im Gegensatz zu Tai Chi und Qi Gong, was auch angeboten wurde, baut Yoga mehr auf Dehnung und Kraft auf. Insbesondere die Tiefenmuskulatur wird gestärkt und gekräftigt. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. 😁

Während der Pausen kamen wir auch ins Gespräch über Gott und die Welt und letztes macht uns wieder zu schaffen. Die Pandemie liegt hinter uns und muss nicht mehr „bearbeitet“ werden. An Stelle dieses Konfliktes trat nun der Krieg der Russen gegen die Ukraine. Und wie sollte es anders ein, nach der Überwindung des anfänglichen Schocks, macht sich jeder seinen eigenen Reim auf die Ereignisse in der Ukraine.

Wildesten Theorien wurden mir dargeboten, als ich Putin psychophysische Züge unterstellte, der über Leichen gehen wird, um sein Ziel zu erreichen. Bevor er wie Welt verlassen will, will er ein russisches Reich erschaffen haben. „So einfach ist es nicht.“ wurde mir erklärt und ich wurde überhäuft mit reichlich Argumenten, die eine Erklärung für das Verhalten von Putin parat hatten. Naja…und so und überhaupt. Ich schlackerte nicht schlecht mit den Ohren, wie sehr doch einige bemüht waren, vieles, was Putin unternimmt, um ein „russisches Reich“ seinem Volk zu hinterlassen, zu relativieren.

Okay..ich nahm mich aus dem Gefecht der gegensätzlichen Argumentationen raus und zog mich mit meinem Buch „Das letzte grüne Tal“ zurück und verbrachte die Abende damit. Irgendwie passte es zu dem, was das Thema kurz vorher war. Der Krieg und die Menschen. Es beschreibt den beschwerlichen Weg einer Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine in den Westen zum Ende des 2. Weltkrieges. Ich habe selten solch einen fesselnden, berührenden und inspirierenden Antikriegsroman gelesen und kann ihn jeden ans Herz legen, der in unserer Wohlstandgesellschaft mit chronischer Unzufriedenheit zu kämpfen hat.

Der Buchautor Mark Sullivan hat wirklich ganze Arbeit geleistet, denn sein Roman basiert auf eine Familiengeschichte, die er gründlich recherchiert hat. Er bereiste mit den Betroffenen zum Teil alle Stationen, die die Familie während ihre Flucht von der Ukraine bis nach Amerika Halt machten. Für dieses Buch kann man nur dankbar sein, denn es zeigt uns, was wir heute haben und was für uns schon selbstverständlich ist.

FRIEDEN

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