Ich wollte es wissen

Mehr im Vorbeigehen nahm ich das Buch über die Wagner-Gruppe mit. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Putin-Krieg gegen die Ukraine immer wieder erwähnt. Warum trägt eine russische Söldner-Gruppe einen typisch deutschen Namen? Söldner an sich gehörten für mich der Vergangenheit und für die zivilisierte Neuzeit nur noch Geschichte. Aber weit gefehlt. Soldaten, die man für die Kriegszwecke buchen kann, gibt es noch heute. Und die Wagner-Gruppe gehört dazu, sie existiert seit 2014 und Putin schickt sie verdeckt an die unterschiedlichen Brennpunkte, an denen er in der Vergangenheit mitmischte.

Der Gründer verehrte die damalige Kriegstaktik von Hitler und dieser wiederum liebte die Musik von Richard Wagner. Nun weiß ich, warum die russische Söldner-Gruppe den Namen Wagner angenommen hat. Bis vor einem Jahr wusste die Welt wenig darüber und von ihren Machenschaften im Auftrag von Putin. Und überhaupt ist die Existenz einer Privat-Armee in Russland verboten und doch, gibt es sie. Paradox. Genauso paradox ist die Tatsache, dass Putin gegen die angeblichen Nazis in der Ukraine vorgeht, aber eine an sich verbotene Söldner-Gruppe mit einer klaren Identifikation zu Nazis in ihren Namen gegen den ukrainischen Staat einsetzt.

Die von Arte ins Netz gestellte Doku gibt einen tiefen Einblick in die Mechanismen und Arbeitsweise der Wagner-Gruppe, die bis in die Manipulation der Wahlergebnisse in den USA und andere Länder hineinreicht. Kriegsführung also nicht „nur“ Mann gegen Mann oder Panzer gegen Panzer, sondern auch auf medialer Ebene.

Das von mir oben erwähnte Buch wurde von einem ehemaligen Söldner der Wagner-Gruppe geschrieben, das jedoch ein umfangreiches Vorwort zweier Journalistinnen enthält, die auch an der Arte-Dokumentation mitgewirkt haben. Darin erfährt der Leser mehr über den Buchautor und unter welchen Umständen er die Wagner-Gruppe verließ. Mit dem Buch teilt er nun seine Erfahrung in einer Söldner-Gruppe mit der Welt. Damit erfährt der Leser erfährt hier viel über das Innenleben einer Söldnertruppe, die es ja eigentlich gar nicht gibt.

Ich würde fast sagen, dass das Buch mindestens 20 % romantische Passagen enthält. Er beschreibt sehr oft die wunderbare Natur, in der das Kriegsgeschehen stattfindet. Nur hier und da zeigt er Zweifel daran, ob der Kriegseinsatz überhaupt nötig war. Hängen geblieben ist in meinem Kopf die Formulierung zu dem Krieg gegen die Ukraine vorangegangenen Konflikten am Donbas „Die Ukrainer sind nicht immer im Unrecht und die Russen haben nicht immer recht.“ Ansonsten sah sich der Buchautor seinen Einsatz für in den Kriegsgebieten als eine Ehre an. Deshalb werden die Erwartungen der Leser nicht erfüllt werden, die glauben, dass der Buchautor sich auf der falschen Seite gesehen hat.

Verlassen hat er die Söldner-Gruppe, weil diese unter Beschuss der Amerikaner in Syrien geriet. Putin hatte damals u. a. auch seine Armee zur Unterstützung für Assad im Bürgerkrieg, der ja schon seit 2011 anhält, geschickt. Und die Armee bekam Unterstützung von den Söldnern. … Könnt ihr mir noch folgen? … Gar nicht so einfach, alles so darzulegen, dass es nicht verworren wirkt. Aber weiter. Die Amerikaner fragten bei Putin nach, ob in dem Gebiet, das sie unter Beschuss nehmen wollten, noch Leute von ihm wären. „Nein“ war die Antwort und das Gebiet wurde unter Beschuss genommen. Es waren aber noch Russen in dem Gebiet, und zwar Söldner der Wagner-Gruppe, mit Wissen von Putin. Man konnte jedoch nicht zugeben, dass Putin auch Söldner in den syrischen Bürgerkrieg geschickt haben. Der Buchautor fühlte sich dadurch von Putin verraten und verließ die Gruppe. Man kann auch sagen, er kündigte seinem Arbeitsvertrag.

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