Schon als Kind wollte ich die Welt immer verstehen, verstehen um sie zu begreifen. Aufwachsen durfte ich in der heilen Welt, die meine Eltern für uns Kinder geschaffen hatten. Im Elternhaus gab es nichts, was mich hätte erschüttern können, weder ein schlagender Vater noch eine schreiende Mutter. Dadurch konnte das Vertrauen in die Welt in mir wachsen, wovon ich wohl heute noch partizipiere. Aber das Elternhaus allein wird dafür nicht der Grund sein, denn meine Geschwister haben einen ganz anderen Blick auf die Welt und die Ungereimtheiten, die damit einherzugehen.
„Da stimmt was nicht“
Meine jüngste Schwester sieht immer etwas, was da nicht stimmt. „Da stimmt was nicht“ wittert sie überall. Damit wird sie auch nicht ganz Unrecht haben. Überall wo man hinschaut, viele Menschen wollen nur ihr Schäfchen ins Trockene bringen, andere wollen möglichst immer mit dem Rücken an der Wand stehen. Dafür wird geschauspielert, geblendet, gelogen und manipuliert und das im kleinen wie im großen Stil. Angefangen beim kleinen Mann und findet seine Fortsetzung bei großen Politikern.
Das die Menschen irgendwann mal immer gut und friedlich sein werden, halte ich für eine Illusion.
Nur durch die Straße von Recht und Gesetz lassen sich die unterschiedlichsten Interessen und Ambitionen der Menschen auf ein gesellschaftlich verträgliches Maß leiten. Sonst würde vielleicht jeder seine Weltanschauung als die einzig wahre akzeptiert wissen. Unsere Horizonte als Mensch sind begrenzt und nicht selten beschränkt sich unser Blick nur auf das, was wir im einzelnen als richtig, wahr und gut heißen. Ich mag auch ungern Gegenwind, wenn ich meinen Standpunkt darlege.
„Du lebst ja in einer rosa Welt“
wird mir dann häufig gesagt, wenn ich mich z.B. an die stetige Unzufriedenheit über die Politik nicht beteiligen will. Ich suche halt immer nach Erklärungen. Vielleicht suche ich auch einfach nach Entschuldigungen, denn es ist ja nicht so einfach, täglich politische Entscheidungen zu treffen, denen alle zustimmen. Aber statt mich zu streiten oder mich von einer Welle der Unzufriedenheit überrollen zu lassen, gehe ich lieber in Klausur, beschäftige mich mit den menschlichen Eigenschaften, Eigenschaften, die ihr Verhalten mit der Umwelt beeinflussen, wie z.B. die Unzufriedenheit, auf die ich immer häufiger in unserer Wohlstandsgesellschaft treffe. Den meisten geht es davon gut bis sogar sehr gut.
Ist Unzufriedenheit ein Hinweis auf Mangel?
Wer unzufrieden ist, spürt unterschwellig einen Mangel in seinem Leben. Ein Mangel, der nicht durch Materielles auszugleichen ist., denn selbst der kleinste Haushalt besitzt mehr, als es braucht. Vielleicht fehlt es aber an Liebe, an Zuwendung, an Achtung oder Respekt, vielleicht fehlt es auch an Selbstliebe und Selbstachtung? Vielleicht hat man sich auch nur selber aus den Augen verloren?


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