ja aber……

Die Zeiten, in der wir leben, sind wirklich nicht einfach zu verstehen.

Blicke ich zurück in die Zeit, als niemand daran dachte, dass ein Virus unsere Welt auf den Kopf stellen wird, dann kommt mir diese Zeit vor, als hätten wir bis dato nur im Sandkasten gelebt. Nur hier und da ein paar Zäckereien und das war’s dann auch schon an Unruhe. Okay, die Politiker waren schon immer eine beliebte Zielscheibe für Klugscheißer und Besserwisser. Aber das ist normal, denn bei jeder Entscheidung, egal im Großen wie im Kleinen baut sich mit der Zustimmung auch eine Welle der Empörung auf. Das Diskutieren über das Für uns Wider der Entscheidungen brachte uns Menschen eher selten an einen Scheidepunkt, die zur Spaltung führte.

Seit der Pandemie ist es anders

Die Streitkultur unter uns Normalos hatte sich verändert. Man fühlte sich vielleicht sogar auch angegriffen, wenn die andere Seite einen völlig anderen Standpunkt hatte. Da mache ich auch keine Ausnahme. Ich hatte damals Angst und wollte dem Virus nicht zum Opfer fallen. Die Maßnahmen von damals sollte die schützen, die das Virus nicht vertragen und das Gesundheitssystem sollte nicht überlastet werden. Doch in den Für-und-Wider-Diskussionen ging es gar nicht darum. „Strohmänner“ (..Ja, aber…) wurden in die Diskussion eingebunden. D.h. es wurden Argumente in die Diskussion eingeworfen, die von Thema ablenkten und schon wurde aus der Diskussion ein Kampf auf Messers Schneide. „Ich habe recht“ – „nein ich habe recht“

Konflikte, wohin das Auge schaut

In der Ukraine tobt ein Krieg, im Nahost tobt seit ein paar Wochen ein weiterer Krieg. Ich mag gar nicht mehr die Nachrichten ansehen, weil ich mich von den bedrückenden Nachrichten überlastet fühle. Mein Kopf möchte vom Chaos abschalten und sich von all dem Leiden abwenden, die mir mit den täglichen Nachrichten serviert werden. Der Krieg ist seit dem Putin-Krieg nicht nur ein Teil der Geschichte, die weit hinter uns liegt, sondern er ist Teil unserer Gegenwart. Meine naive Denke sagte mir zeit meines Lebens: „Die Menschen haben seit dem 2. Weltkrieg dazu gelernt und sich für „nie wieder Krieg“ bekannt“

Aber warum nicht?

Weil die Menschen halt nicht dazu lernen. Ein Zitat von Gandhi: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ bestätigt sich wieder. Ich mache mir jetzt echt Sorgen über unsere sichere Zukunft. Und im Gespräch mit Bekannten fiel mir folgendes auf.

„Ja, aber….“

Fast jedes Argument von mir wird mit einem „Ja, aber…“ entschärft. Gestern fiel mir das bei einem Gespräch mit einer Bekannten wieder deutlich auf. Ich erkannte im Chaos ihrer Argumente eine Vermischung von Ursache und Wirkung. „Ja, aber unsere Politiker machen ja auch nicht alles richtig.“ oder „.. hätten sich unsere Politiker sich so oder so verhalten, dann hätte Putin auch nicht angegriffen.“ „Ja, aber..“ wurde auch zum Konflikt im Nahost verwendet. „Ja, aber…“ Und so ging es weiter und weiter. Ich entschied mich bei dem gestrigen Gespräch mich zurückzunehmen und auf Beobachtungsmodus umzuschalten.

Was ich sah

..war Hilflosigkeit, alle die beunruhigenden Ereignisse einzuordnen. Die Lieblingszielscheiben – die Politiker im eigenen Land – wurde auch zum Buhmann erklärt, damit lässt es sich vielleicht besser leben, als dem Druck der eigenen Ohnmacht über das beunruhigende Weltgeschehen ausgesetzt zu sein. Kopfschüttelnd fuhr meine Bekannte mit ihrem Auto weiter, nachdem sie mich zu Hause abgesetzt hatte.

Aber worauf zielen die aktuellen Konfliktherde ab?

Autoritären Führungsstilen der Welt ist die Demokratie ein Dorn im Auge. Ihr Herrschaftsanspruch ist ungebrochen und will sich ausweiten. Sie wollen nicht nur über Recht und Gesetz herrschen, sondern auch über Wahrheit und Lüge. Sie wollen sagen, was wahr ist, auch wenn es eine Lüge ist. Putin lügt, dass sich die Balken biegen und die Hamas nutzen eine alte Schrift „Die Protokolle der Weisen von Zyon“ um ihre eigene Bevölkerung zu manipulieren. Putin macht sich den Hass auf die Ukrainer zunutze und die Hamas wollen den Antisemitismus wieder zu neuen Leben erwecken. Alle habe sie etwas gemeinsam. Sie schaffen Feindbilder und nutzen sie als Zielscheibe für den Hass der Menschen, die sie als Waffen nutzen können.

Hass zu entfachen und zu bündeln,

ist eine der wichtigsten Kriegswaffen, weil er die Menschen zum Mitlaufen und Mitmachen rekrutiert und in den Krieg führen kann. Da gibt es kein „Ja, aber…“

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