Gefühlt liegt ein Ereignis schon eine Ewigkeit zurück. Aber es liegt noch keine 2 Jahre zurück, als der damaliger Chef meines Sohnes sich sonderbar verhielt. Man wusste nicht mehr, woran man bei ihm war. Ich hatte seiner Zeit mit ihm zu tun, weil mein Sohn nach seinem schweren Unfall lange krankgeschrieben war, Reha inklusive. Um alles auf den richtigen Weg zu bringen, musste ich mit dem Chef meines Sohnes einiges regeln. Ich fand ihn ganz nett und war sicher, dass man sich auf ihn verlassen kann. Gut, er trat wohl ab und an seinen Mitarbeitern gegenüber cholerisch auf. Das war für sein Team nicht immer leicht.

Kurz vor der fristlosen Entlassung meines Sohnes, die wie aus dem Nichts kam und es keinen echten Grund dafür gab, machte sein Chef sonderbare Dinge, die ich nicht mit meinem Eindruck von ihm im Einklang zu bringen konnte. Und es passte auch nicht zu den cholerischem Verhalten. Dass ein Chef seine Mitarbeiter kritisiert ist normal, auch den Ton muss dabei nicht immer der beste sein.
Er griff meinen Sohn nach 6 Jahren wegen seiner Epilepsie an. Das hatte nichts mit Mitarbeiterfehlverhalten zu tun. Mit Finger auf ihn zeigend sagte er zu ihm: „Und du kannst froh sein, dass du mit deinem Handicap bei mir arbeiten darfst“. Das war gleich nach einer Arbeitsberatung, die er mit seinem Team führte. Er drohte jedem und machte schrecklich auf dicke Eier. Letztes untermauerte er mit Bildern von seinem Handy, auf den er seine Waffen abgebildet waren, die er für die Bärenjagd in Kanada besaß. 2 Minuten mussten die Mitarbeiter warten, bis es endlich auf seinem Handy die gesuchten Bilder fand und er sie seinen Mitarbeitern zeigen konnte. Wegen einer Bagatelle wurde mein Sohn wenige Tage später fristlos entlassen, mit Hausverbot und anschließender 3-monatige Sperre für Arbeitslosengeldbezug. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er meinem Sohn gefördert und wusste, dass er sich auf ihn verlassen kann. Was war mit dem Mann geschehen?
Inzwischen sind 1 1/2 Jahre ins Land gegangen und die uns damals aufwühlenden Ereignisse sind in den Hintergrund getreten, bis heute. Mein Sohn rief mich von seiner aus Arbeit an. Das macht er nie. Natürlich befürchte ich immer erst, dass er sich aus der Klinik meldet, weil es nach Jahren doch wieder zu einem epileptischen Anfall gekommen ist (die besorgte Mutter lässt grüßen). Zum Glück, nichts der Gleichen. Trotzdem war er aufgewühlt und ich verstand erst mal gar nicht, was er mir sagen wollte. Hab ich richtig gehört?
„Guido hat sich vor 2 Tagen erschossen.“ Mit Guido war sein damaliger Chef gemeint. Eine seiner früheren Kollegin hatte ihn das per WhatsApp mitgeteilt. „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.“ Mein Sohn klang verzweifelt. Auf der einen Seite war er ihm dankbar, dass er ihm als Ungelernter trotz seiner Epilepsie eine Chance gab und er war im Groll auf ihn, weil er ihm genau das zum Vorwurf machte.

Der frühere Chef meines Sohnes hat Selbstmord begangen, für ihn als Waffennarr hatte er das richtige Werkzeug zu Hause. Diesmal setzte er seine Waffen nicht für die Bärenjagd ein, sondern für sich. Wahrscheinlich hat das niemand kommen sehen. Und ich stelle fest, dass es weder meinem Sohn noch mir am Arsch vorbei geht.


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