Stürzt unsere Welt ins Chaos?

Seit Samstagnacht überschlagen sich die Medien mit nur einem Ereignis: Trump wurde während seiner Wahlkampfrede angeschossen. Nur knapp verfehlte die Kugel den Tod. Hat damit jetzt schon der überhitzte Wahlkampf in Amerika begonnen? Und ist das nur in Amerika so?

Immer öfter versucht man, den politischen Gegner mit harten Worten zu verunglimpfen und mit übler Nachrede aus dem Weg zu räumen. Diese Taktik ist nicht nur in Amerika zu beobachten, sondern auch in Deutschland wurden Politiker an ihren Wahlkampfständen angegriffen. Egal aus welchem Lager sie stammten, ob Rechts oder Links oder Grün. Die Europawahl liegt ja nicht lange zurück und ist uns noch gut in Erinnerung.

Heute habe ich mich gefragt, wie sich das auf junge Menschen auswirkt. Während der Pandemie beobachtete ich eine Familie, in der die Eltern gegen die damaligen Maßnahmen waren. Ich habe erlebt, wie die Eltern in Anwesenheit der Kinder die damaligen Politiker kritisierten und sie als unfähig und faschistoid bezeichneten. Fast konnte man glauben, die sprachen von Serientätern. Es gab keine Erklärung zu den Fragen „Wieso? Warum? Weshalb?“ die Welt mit einmal eine andere war.

Von meinem Vater kannte ich es anders. Er erklärte mir, wenn ich das denn wissen wollte, was die Politiker vorhatten und warum sie diesen oder jenen Weg gingen. Eine Meinung musste ich mir selber bilden. Aber damals gab es ja noch kein Internet, keine sozialen Medien. Es gab kein OVERLOAD von gegensätzlichen Meinungen in unseren Gehirnen. Was macht das heute mit jungen Menschen, wenn sie täglich die kleinen Videos von TikTok und Instagram konsumieren und so die Gehirne mit gegensätzlichen politischen Meinungen bombardiert werden?

Ich hatte mir ein paar Videos von „Achtung Reichelt“ angesehen. Auf eine Verlinkung verzichte ich hier bewusst. Nur soviel. Er, Julius Reichelt, ein ehemaliger Mitarbeiter aus der Chefetage der „Bild“, der wegen Missbrauchsvorwürfen von der BILD entlassen wurde. Seine journalistische Heimat sind nun die sozialen Medien für seine Berichterstattungen. Die Länge seiner Videos sind an die Möglichkeiten der Plattformen angepasst. Auf YouTube sind sie zeitlich wesentlich länger, auf Instagram oder TikTok werden sie gekürzt gezeigt. Sein Kanal hat das Auftreten einer Tagesschau und das Aussehen ähnlich dem konservativen amerikanischen Sender „FOX-News“. Er berichtet fast täglich über ähnliche Inhalte, d. h. die Mündigkeit des Bürgers ist vom Staat bedroht und wird täglich weiter untergraben. Seine „Lieblingsfeindbilder“ sind Nancy Faeser und die Grünen.

Und, was soll ich euch sagen? Was machte das mit mir? Ich geriet unter eine diffuse Spannung, die mich nicht schlafen lassen wollte. Die Welt zerbröckelte, die ich vorher sicher nicht einfach fand. Aber sie stand nicht im Chaos, wie nach dem Konsum seiner Nachrichten. Ängste und Wut wurden wach und schlichen sich in meinen Tag. Mein analytisches Denken erlosch wie eine Flamme, die kein Sauerstoff mehr bekam. Es brauchte bei mir Tage, bis ich wieder Zugriff auf meine Sicht auf die Welt bekam, die zugegeben nicht einfach ist. Aber welche Zeit war schon einfach? Keine Zeit war es, wenn man in die Geschichte schaut. Nur die Schwerpunkte verlagerten sich.

Der Attentäter auf Trump war 20 Jahre alt. Damit will ich nicht sagen, dass der Täter ein überfordertes Opfer der immer härter und im Wahlkampf grobschlächtiger verbale Positionierung der politischen Gegner ist. Ich habe mich nur gefragt, was diese mit jungen Menschen macht?

Comments

Schreibe einen Kommentar