Kaum hat die Woche begonnen, ist sie schon wieder vorbei. Im Laufe der Woche liegt mein Fokus immer auf den nächsten Termin, der nächsten Yogastunde, der nächsten Sportstunde mit Kindern. Am Samstagmorgen wache ich mit dem Gedanken auf : „Heute keine Termine“. Ich arbeite in den Sportvereinen mit allen Altergruppen, von Kleinkindalter angefangen.
Ich kam erst sehr spät zum Sport. Bis dato tat ich alles, um meine Gesundheit zu ruinieren. Rauchen, ab und an einen heben, wenig Bewegung. Stressabbau? Keine Ahnung, wie man das anders machen sollte, als am Abend sich mit einem Glas Wein abzureagieren.
Den Sport habe ich für mich erst mit 50 Jahren entdeckt. Den Wachrüttelmoment hatte ich auf dem Weg zum Bus. Ich war spät dran, wollte den vorfahrenden Bus aber noch schaffen, nur wenige Meter entfernt. Ich rannte, was ich konnte. Schon allein, um dem Busfahrer ein Signal zu setzen, da will noch wer mit. Innerlich gab ich alles, äußerlich muss ich wie eine lahme Ente ausgesehen haben. Mein Oberkörper war schneller, meine Beine kamen nicht mit. Und es kam, was kommen musste. Ich verlor das Gleichgewicht. Ich fiel der Länge nach hin, soweit man bei 1,54 m von Länge sprechen kann. Eine mir bis dato unerkannte lähmende Steifheit hatte mich mit den Jahren träge gemacht, auf den Boden gezwungen. Auf diese unsanfte Weise war auf den Boden der Tatsachen angekommen. Ich war steif wie ein Bock und der hatte meine Quirligkeit ausgeschaltet,
Mit dieser Steifheit wollte ich auf keinen Fall alt werden. Sie macht nicht nur träge, sondern auch unzufrieden. Ich begann mit einem Buch in der Hand die vorgeschlagenen Turnübungen vor meinem Bett nachzumachen. Nach wenigen Tagen fiel mir auf, dass die lähmende Steifheit verschwunden war. Ein gutes Gefühl dem Altern nicht mehr ausgeliefert zu sein. Aber allein im stillen Kämmerlein? Da wurde es mir bald zu langweilig.
Etwas entscheidenes kam dann noch dazu. Ich suchte mir einen Sportverein. Damit kam neuer Schwung in mein Leben. Ich war wieder unter Menschen, lernte jeden Tag neue Menschen kennen. Dadurch erlebte ich wieder die Lebendigkeit, wie ich sie aus meinem jungen Jahren kannte. Ich war wieder dort angekommen, wo ich mich Jahre zuvor selber aus den Augen verloren hatte.
Das liegt nun schon über 20 Jahre zurück. Heute turne ich nicht mehr vor meinem Bett rum. Ich habe mich zum Trainer ausbilden lassen. Nun motiviere ich Groß und Klein, den Spaß am Sport und die Geselligkeit zu einem Teil ihres Lebens zu machen. Die Sporthallen wurden mein zweites zu Hause.



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