Schon bevor das Unwetter von Donnerstag auf Freitag über Deutschland hereinbrach, hatten uns die Wetterberichte ausführlich darüber informiert, was zu erwarten war. Mich hatten die Prognosen unterschwellig in Unruhe versetzt. Als ich mich am Donnerstag auf den Weg machte, lag noch ein langer Tag vor mir und ich wusste, dass ich vor 22 Uhr nicht zu Hause sein würde. Während ich im ersten Schneeschauer auf meinen Bus wartete, überlegte ich, wo ich im Fall der Fälle übernachten könnte, falls am Abend der Nahverkehr nicht mehr funktionierte. Würde es in Rostock wieder so schlimm werden wie damals? In meinen Gedanken spielte ich verschiedene Szenarien durch, während Erinnerungen, die schon eine Ewigkeit zurücklagen, wieder in den Fokus rückten.
Wer den Winter so miterlebt hat, wie ich ihn damals 1978/1979 erlebte, fühlte sich beim Blick auf die Vorhersagen sofort an damals erinnert. Ein Sturm, der nicht enden wollte, hohe Schneewehen, die uns von der Außenwelt abschnitten, und zeitweise kein Strom. Die unpassierbaren Straßen konnten lebensgefährlich werden. Puh, war das eine Kälte! Erst nach einer Woche donnernden Dauersturms – so fühlte es sich zumindest an – konnten wir endlich wieder einen Fuß vor die Tür setzen. Der Himmel war nun tiefblau, der Schnee blendete in den Augen. Die ganze Umgebung sah malerisch schön aus, und diese gespenstische Ruhe habe ich heute noch in den Ohren. Schade, dass es damals mit dem Fotografieren nicht so einfach war wie heute. Es wären einmalige Bilder aus dem Umfeld geworden. Eine Garage, die komplett unter einer Schneewehe verschwunden ist, sieht man schließlich nicht alle Tage. Bis wir das Dorf wieder verlassen konnten, ging noch einmal eine Woche ins Land, bevor ich zurück nach Rostock fahren konnte.
Im Gegensatz zu heute gab es damals keine Vorwarnung über den extremen Wettereinbruch. Viel geändert hätte es wohl ohnehin nicht. Vielleicht hätten die Dorfbewohner höchstens den kleinen Konsum – wie man zu DDR-Zeiten den Tante-Emma-Laden nannte – leer geräumt, bevor die Schneemassen alles zum Stillstand brachten. Bis wir das Dorf schließlich wieder verlassen konnten, ging noch einmal eine Woche ins Land, bevor ich zurück nach Rostock fahren konnte.

Doch das Sturmtief Elli verschonte Rostock. Außer einem etwas schärferen Wind, der um die Hausecken pfiff, und dem Schneeschauer am Donnerstagmittag konnten wir uns alle entspannt zurücklehnen, während große Teile Deutschlands im Schnee versanken.


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