Tag und Nacht

Ab heute werden die Nächte wieder länger als die Tage sein. Aber für heute kann man sich in Rostock noch auf 12 Stunden Tageslicht freuen. Ich gebe zu, den schwindenen langen Tagen schaue ich immer mit Wehmut hinterher, Um 20 Uhr ist es nun schon zappen duster.

Gestern hatte ich wieder meinen langen Tag in den Sporthallen und – räumen. Manchmal kann ich es nicht glauben, dass sich so viele Menschen auf mein Kommando bewegen, denn in der Woche kommen fast 100 Menschen zusammen. Nicht alle auf einmal, aber insgesamt, wenn ich die Gruppenmitglieder zusammen zähle.

Und alles begann mit einem Sturz. Ich war damals noch nicht ganz 50 Jahre alt, als ich mich das erste für Sport interessierte. Vorher konnte man eher von kein Interesse und Null-Bock reden. Dann kam der Tag, an dem ich auf dem Weg zu Bus, den ich unbedingt noch kriegen wolle, zu Boden ging. Ich schlug der Länge nach hin und brauchte etwas, um mich wieder zu berappeln. Heute kann ich nicht mehr sagen, ob der Bus auf mich wartete und ich doch noch den Bus reichen konnte?

Aber rückblickend hatte der Sturz mein Leben verändert. Ich fragte mich damals, wo war meine jugendliche Beweglichkeit geblieben? Ich war mir sicher, sie klebte am Bürostuhl fest und wälzte sich nach Feierabend auf der Couch. Wollte ich das für den Rest meines Lebens weiter kultivieren oder wollte ich meine jungendliche Beweglichkeit zurück? Ich entschied mich für letztes.

Und diese Entscheidung gab meinem Leben eine neue Richtung. Nicht nur, dass ich meine Beweglichkeit zurück eroberte, ich lernte viele Menschen kennen. die ich sonst niemals kennengelernt hätte. Für mich, als geselligen Menschen genau das richtige.

Mein Leben wurde neu belebt. Ich kann mich heute noch an das Gefühl erinnern, dass ich damals hatte. Ich sog das ganz normale Leben mit neuen Blick auf, als wäre ich neugierig wie ein Teenager. Ich hatte das Gefühl, ich wäre ichnoch einmal auf die Welt gekommen und war nun jemand, der das pralle Leben in sich aufsog.

Woher das Gefühl kam, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich über den Sportverein, in dem ich damals war, dem tristen Leben zwischen Job und Haushalt entronnen war? Ich tauschte Zigaretten und Alkohol gegen Sport ein. Das Fazit meiner kleinen Geschichte? Ein Sturz kann der Anfang eines neuen Lebensweges sein. Ein Weg, der mehr Erfüllung bringt, als man auf den ersten Blick glauben mag.

Heute stehe ich in den unterschiedlichsten Sporthallen und vermittle den Menschen, dass es sich lohnt, jeden Tag etwas für sich zu tun. Das Bild, das ich hier verwende, machte ch gestern Abend für meinen Enkelsohn, damit er weiß, wo seine Oma sich immer rumtreibt.Auf dem Bild ist der Übungsraum zu sehen, die sich wenig später mit den Yogis füllen sollte.

Große Reden schwinge ich zu Beginn der Übungspraxis nicht. Doch ab und zu, wenn es sich ergibt, versuche ich den Menschen auch einen spirituellen Blick auf die Welt und das Leben zu vermitteln. Bei dieser Spiritualität erlaubt das Augenmerk eher auf den Blick nach innen, dass Innere, das stetig versucht, sich mit dem Äußeren zu verbinden, um Widersprüche aufzulösen. Wir leben in einer dualen Welt, in der erst keinen Tag geben würde, gäbe es dich Nacht nicht.. Tag und Nacht stehen sich mit ihren Lichtverhältnissen diametral gegenüber und wir Menschen leben in diesem Spannungsfeld.

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