früher war mehr Lametta

Ja.. früher war alles anders. Alles, was vergangen ist, ist Geschichte, auch wenn die Geschichten sich alljährlich wiederholen. Neue Geschichten sorgen dafür, dass sich der Ordner der Geschichte weiter füllt. So werden aus erlebten Geschichten Erinnerungen und die Erinnerungen verweben sich zur Geschichte und diese gewähren uns einen Blick in die Vergangenheit. Und je nach Neigung der Person, die seine Erinnerung in den Ordner seiner Geschichte ablegt, fallen die Erinnerungen hell, dunkel, düster oder fröhlich aus. Damit meine ich, worauf man als Beobachter seines eigenen Lebens den Fokus für seiner Erinnerungsablage setzt. Auf das, was weniger gut gelaufen ist, oder auf das, was gut und für den eigenen Geschmack sogar perfekt gelaufen ist.

Weihnachten ist ja so eine stetig wiederkehrende Geschichte, die jährlich neu gelebt wird. Früher saßen wir im Elternhaus mit über 20 Personen an Heilig Abend zusammen, d.h. Eltern,. Kinder und Kindes-Kinder. Später kamen die Kindes-Kindes-Kinder dazu. Mehr passten auch nicht mehr rein, in das kleine Wohnzimmer. Das Haus hatte mein Vater nach Kriegsende für seine Familie gebaut, er kannte die Bausubstanz wie kein anderer. Später gestand mein Vater mir, dass er an den letzten Abenden, die wir in der großen Runde verbrachten, befürchtete, die Dielen im Wohnzimmer würden die Menschenmasse nicht mehr tragen. Ein entspannender Heilig Abend sieht anders aus. Mein Vater muss schon etwas unter Strom gestanden haben.

Heute, nachdem die Eltern ihre Wohnung im Himmel bezogen haben, haben sich auch die Familienmitglieder verteilt und jede macht ihr eigenes Weihnachtsfest, mit Kinder und Kindeskinder. Mal zog es uns wie in alten Zeiten zusammen, dann wieder zog jede Familie einen ruhigen Heilig Abend im engsten Familienkreis vor. Früher war halt mehr Lametta

Mein Tannenbaum musste in diesem Jahr ganz ohne Lametta auskommen. Ich wollte mal nicht mit dem Staubsauger hinter Lametta her saugen. Und auch so, Weihnachten ließ bei mir ganz ruhig ab. Ich hatte mich nirgendwo eingeklinkt. Das heiß, der „Menschenauflauf“ und die „Geschenkeschlacht“ an Heilig Abend fiel aus, statt dessen blätterte ich den Ordner meiner Erinnerungen durch. Achja, das waren wirklich schöne Zeiten. Ein bisschen verklärt, dass ist klar, denn in meiner Erinnerung wurde der Stress, der dem vorweg ging, nicht abgespeichert.

Sohnemann machte sich selber ein Geschenk. Sein Vorstellungsgespräch vor Weihnachten im neuen Restaurant lief gut und ab heute darf er dort zur Probe arbeiten. Er liebt seinen Job als Kellner und trotzdem war er aufgeregt, als sich heute auf den Weg machte. Zum Ende des Jahres weiß er, ob es gereicht hat. 😄

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