Die Macht der Worte: Propaganda und ihre Gefahren

Wenn ich ein Buch lese, unterstreiche ich mir oft wichtige Stellen. Aber es gibt Sätze, die ich so zentral finde, dass mir das reine Unterstreichen nicht reicht. Ich notiere sie mir dann handschriftlich in ein kleines Büchlein. So bleiben sie mir noch besser im Gedächtnis und ich habe sie direkt zur Hand, wenn ich sie brauche.

Vor wenigen Tagen habe ich mir so eine Notiz gemacht, als ich mich in Jason Stanleys Gedanken über den Faschismus vertiefte. Ein Satz schrieb sich fast von selbst in mein Heft:

„Einsatz von Propaganda und Geistfeindlichkeit, um einen Zustand der Unwirklichkeit zu schaffen.“

Als meine Hand diesen Satz aufschrieb, war es für mich noch eine gedankliche Auseinandersetzung mit Theorie und Geschichte. Ich wollte die Mechanismen besser verstehen. Doch wie erschreckend schnell aus dieser geschriebenen Notiz bittere Realität werden sollte, ahnte ich in diesem Moment noch nicht.

Vor 2 Tagen scrollte ich mehr gelangweilt durch Facebook. Der CSD in der Berlin wurde angekündigt. Es wurden an die 500 000 Besucher erwartet. Der Beitrag enthielt schon über 1000 Kommentare und das nur zu einer Ankündigung des CSD. Eigendlich hätte ich es wissen müssen, diese Kommentare spiegeln eine Gesinnung von Menschen wieder, die ich lieber nicht in meiner Nähe haben wollte.

Aber das waren die harmlosesten Kommentare. Sie waren kaum auszuhalten und schadeten meinem Geist, sie machten mir Angst. Nach 10 oder 12 gelesenen Kommentaren musste ich mich abwenden und Hunde- und Katzenvideos anschauen, um mein Gehirn wieder zu entspannen.

Und ich komme nicht umhin, einen weiteren Satz aus dem Buch zu zitieren

„All das trifft auf den politschen Autoritarismus zu; insbesondere auf eine bestimmte Art von autoritärer Ideologie, dem FASCHISMUS, der die Bevölkerung durch ethnische, rassistishce oder religiöse Unterschiede in „wir“ und „die anderen“ spalten will“

Die Kommentare, die ich las, machten mich unwohl. Als ich heute Morgen von dem Vorfall gestern Abend bei der CSD-Feier hörte, verstand ich mein Unbehagen. Vielleicht war es eine Vorahnung, und ich frage mich, wem dieser Vorfall nützt.

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